Die Landwirtschaft im Wandel der Zeit 

von Kurt Kiermeier

Tabakanbau

 

Der Tabakanbau begann in Waibstadt zu Beginn unseres Jahrhunderts. Dies wurde dadurch begünstigt, dass man auf kleiner Fläche relativ hohe Erträge erzielen konnte. So wurde im Jahre 1938 im Gewann Schellmenbaum ein Tabakschopf errichtet. Nach dem Brechen der Grumpen, Sandblätter, Hauptgut und Obergut wurden diese eingefädelt.

Diese Tabakbandalieren wurden dann im Tabakschopf zum Trocknen aufgehängt. Im Winter wurde er abgehängt und zu Büscheln zusammengebunden. Bei der Verwiegung (Verkaufstag) wurde der Tabak von Boniteuren nach Qualitäten beurteilt. Hier konnten von den Anpflanzungen je nach Qualität Zuschläge zum Grundpreis erzielt werden.

Der Tabakanbau wurde von der badischen Landesdirektion streng überwacht. Mit Zustimmung der amerikanischen Militärregierung durften 1946 in Nordbaden 3500 ha Tabak angepflanzt werden. Hiervon entfielen auf Waibstadt 12 ha. Diese 12 ha verteilten sich auf 121 Planzer.

 

Tabakeinfädeln bei Fam. Drescher im Bleihof

 

Im Jahre 1949 wurden in Waibstadt von 154 Pflanzen 1.40 ha Havanna und 14.05 ha Geidertheimer angepflanzt.

Jeder Anpflanzer musste seinen Acker mit Name und Größte versehen, damit dies vom Zollamt in Sinsheim genau überprüft werden konnte.

Mit dem Tabakanbau entstanden auch die ersten Tabakfabriken, welche Zigarren herstellten.

In den fünfziger ging der Tabakanbau merklich zurück. Hierfür war sicherlich der vermehrt auftretende „Blauschimmel“ verantwortlich. Gleichzeitig trat bei den Rauchern ein Geschmackswandel ein, welcher hin zu leichten Tabaken führte. Außerdem waren immer weniger Landwirte bereit, den enormen Arbeitsaufwand, welcher der Tabakanbau verlangte, zu leisten.

 

So erfolgte der letzte Anbau von Tabak in Waibstadt im Jahre 1962. Bereits drei Jahre später wurde der Tabakschopf abgerissen, und somit die Waibstadter Tabaksära beendet. 

zurück      weiter mit: Kartoffenanbau